Rede des Regierungssprechers des Landes Nordrhein-Westfalen, Herrn Christian Wiemer

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Rede des Regierungssprechers des Landes Nordrhein-Westfalen, Herrn Christian Wiemer

22 Februar 2026 0 414

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen in unserer Landeshauptstadt Düsseldorf. Herzlich willkommen in Nordrhein-Westfalen: dem Filmland Nummer eins, dem Sportland Nummer eins – das darf man auch sagen – aber zugleich auch der erste Ort kultureller Vielfalt. Und ich glaube, dass es an diesem Abend besonders angebracht ist, dies zu betonen.

Wir leben hier an einem Ort, an dem unterschiedliche Sprachen und Kulturen – mit allen Lebensformen, Traditionen und Interpretationen – vielleicht wie nirgendwo sonst in Deutschland miteinander verwoben sind.

Als Nordrhein-Westfalen sind wir mit keinem anderen Land so eng verbunden wie mit der Republik Türkei und den aus der Türkei stammenden Menschen. In Europa ist es aufgrund unserer gemeinsamen Geschichte schwer, eine andere Region zu finden, die in diesem Maße miteinander verflochten ist. Das spüren wir jeden Tag, und wir leben unser gemeinsames Engagement jeden Tag.

Die Menschen, die aus der Türkei zu uns gekommen sind und sich unserer Gemeinschaft angeschlossen haben, sind ein unverzichtbarer Teil unserer Identität. Zugleich leisten sie einen großen Beitrag zu unserem wirtschaftlichen Erfolg. Dies ist auch ein sehr wichtiger Bestandteil der kulturellen Vielfalt, von der wir heute sprechen.

Sehr geehrter Herr Murat Gürvardar, vielen Dank für den freundlichen Empfang.

Sehr geehrter Herr Vizepräsident des Landtags, lieber Rainer Schmeltzer, in Ihrer Funktion als Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe,

sehr geehrter Herr Generalkonsul Izbul, sehr geehrte Frau Koch, Beigeordnete für Kultur, es ist schön, Sie zu sehen. Sehr geehrte Abgeordnete, verehrte Gäste, es ist mir eine große Ehre, Sie heute Abend im Namen der Landesregierung hier begrüßen zu dürfen.

Und wenn ich das sage, hoffe ich, dass Sie es auch spüren: In den vergangenen Wochen habe ich mich häufig mit unserem Generalkonsul und vielen geschätzten Vertreterinnen und Vertretern ausgetauscht. Ich möchte ganz deutlich sagen, dass es sowohl mir persönlich als auch unserer Landesregierung ein echtes Herzensanliegen ist, die kulturellen Beziehungen zwischen der Türkei – und den aus der Türkei stammenden Menschen – und der starken kulturellen Vielfalt in Nordrhein-Westfalen weiter zu vertiefen.

Was könnte also schöner sein?

Ein Türkisches Filmfestival!

Vielen Dank für diese wunderbare, für diese großartige Idee. Diese Idee ist heute kein Abschluss, sondern vielmehr ein Anfang. Denn wir setzen heute Abend den Auftakt für das große Filmfestival, das im Juni stattfinden wird.

Kunst – insbesondere die Filmkunst – ist aus meiner Sicht ein stilles, aber äußerst wirksames Instrument der Verständigung und Annäherung zwischen Gesellschaften. Denn Kunst folgt ihren eigenen Regeln: Sie ist autonom, frei, unabhängig – und genau darin liegt ihre Stärke.

In der Autonomie der Kunst entstehen Räume, in denen Unterschiede nicht sofort bewertet werden müssen. Räume, in denen das scheinbar „Fremde“ manchmal gar nicht mehr so fremd erscheint. Durch Film wird ein Perspektivwechsel möglich. Selbst in scheinbar Gegensätzlichem lassen sich Gemeinsamkeiten neu entdecken und ein neues Miteinander wird möglich.

Zu Beginn meiner Rede habe ich betont, wie wichtig die Beziehungen zur Türkei für unsere Landesregierung sind.

In diesem Jahr feiert das Land Nordrhein-Westfalen Ende August sein 80-jähriges Bestehen. Und die Erfolgsgeschichte dieses Landes – insbesondere sein wirtschaftlicher Wohlstand – beruht in hohem Maße auf den Menschen, die als „Gastarbeiter“ hierhergekommen sind.

Was für ein merkwürdiger Begriff: „Gastarbeiter“.

In diesem Jahr begehen wir außerdem den 65. Jahrestag des Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommens. Das wird im Oktober sein. Man fragt sich unweigerlich: In welchem Land arbeiten eigentlich Gäste? Doch das gehört inzwischen der Vergangenheit an.

Aus dieser Geschichte ist viel entstanden. Vor allem ist in allen Bereichen großer Reichtum gewachsen: in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Industrie – aber ganz besonders in der Kultur.

Und genau dieser Reichtum wird auf diesem Festival, heute hier, sichtbar. Dafür bin ich wirklich dankbar.

Ich freue mich sehr auf den Juni. Die Vorgespräche waren hervorragend. Denn das Kino schafft Nähe, selbst wenn Distanz besteht; es schafft Verständnis dort, wo Unterschiede aufeinandertreffen.

Filme machen sichtbar, wie unterschiedlich die Geschichten der Menschen sind – und wie viele Gemeinsamkeiten sie dennoch haben.

Wir als Landesregierung sind überzeugt: Unsere Gesellschaft braucht solche Räume. Und wie auch unser Vizepräsident des Landtags betont hat, sind Filmfestivals gerade in Zeiten des Wandels, der Unsicherheit und neuer Herausforderungen sehr wertvolle Orte des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des Dialogs zwischen den Gesellschaften.

Für Nordrhein-Westfalen ist das von besonderer Bedeutung.

Die starke türkische Gemeinschaft, die Menschen mit türkischen Wurzeln, bereichern unser Land seit Jahrzehnten. Diese Geschichte ist keine Randnotiz. Sie ist kulturelles Kapital unseres Landes.

Deshalb ist es mir ein echtes Herzensanliegen, die von mir erwähnten Jubiläen in diesem Jahr – wie den 80. Jahrestag und den 65. Jahrestag – als Chance zu nutzen, neue Seiten aufzuschlagen.

Deshalb danke ich allen Organisatorinnen und Organisatoren von Herzen: dafür, dass Sie dieses Filmfestival ins Leben gerufen haben. Es passt hervorragend zur Identität Nordrhein-Westfalens als „Filmland“. Wir haben hier eine sehr starke Festival­kultur. Unser Landtagspräsident kommt aus der Stadt Lünen, und ehrlich gesagt war ich ein wenig überrascht, dass er das Lüner Filmfestival nicht erwähnt hat. Darüber hinaus haben wir mit den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, dem Afrika Film Festival in Köln, dem KinderKinoFest in Düsseldorf und dem weithin bekannten Film Festival Cologne sehr bedeutende Festivals.

Und nun dieses Türkische Filmfestival mit seinem großartigen Format … eine sehr wertvolle Initiative, getragen von einem neu gegründeten – vergleichsweise jungen – Verein.

Ich danke Ihnen sehr.

Den Reichtum, den Sie uns im Juni in Nordrhein-Westfalen präsentieren werden, sehen wir im wahrsten Sinne des Wortes als Bereicherung und als Wert. Als Landesregierung blicken wir mit großer Vorfreude darauf. Nicht nur die Menschen in Düsseldorf und in der Landeshauptstadt, sondern weit darüber hinaus wird dieses Festival mit großer Freude erwartet.

Vielen Dank für diesen Abend. Vielen Dank für diese Initiative, für diese Idee. Und wir richten unseren Blick mit großer Vorfreude auf den Juni.

Vielen Dank.

— Christian Wiemer

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